Status Q · Innungen und Verbände
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Ein Wort an die Innungen und Verbände – und an uns selbst.
Gemeinschaft soll Rückhalt geben. Sie soll Interessen vertreten, Wissen weitergeben und dafür sorgen, dass der Einzelne nicht allein dasteht. Dieser Gedanke steht für mich hinter einer Innung. Gerade in schwierigen Zeiten brauchen wir ihn mehr denn je.
Wenn heute über Innungen und Verbände gesprochen wird, höre ich allerdings oft großen Unmut. Vieles davon verdient es, ernst genommen zu werden. Aber zu einem ehrlichen Blick gehört auch: Es gibt Innungen und Verbände, die vorzügliche Arbeit leisten. Anderen fehlen Mitglieder, Geld oder Menschen, die Verantwortung übernehmen. Wer etwas bewegen soll, braucht dafür auch die Mittel.
Kritik ist leicht – Mitmachen ist anstrengender
Über die Versäumnisse anderer wird schnell gesprochen. Viel schwerer fällt es offenbar, selbst Zeit zu investieren und an einer Veränderung mitzuwirken. Das gilt nicht nur für unsere Branche. Es entlässt uns aber nicht aus der Verantwortung.
Manche Kritik beginnt schon mit falschen Erwartungen. Eine Innung ist keine Ermittlungsbehörde. Sie kann weder jede Kontrolle selbst durchführen noch eine bundesweit geltende Ausbildungsordnung nach Belieben ändern. Ihre Aufgaben und Befugnisse haben Grenzen. Wer ihr Versäumnisse vorwirft, sollte diese Grenzen kennen.
Andererseits dürfen begrenzte Befugnisse nicht bedeuten, die Hände in den Schoß zu legen. Die gemeinsamen Interessen der Mitglieder zu fördern, die Ausbildung zu unterstützen und das handwerkliche Können weiterzuentwickeln, gehört zu den Aufgaben der Innungen. Meine Frage ist deshalb: Wo können wir innerhalb dieser Möglichkeiten mehr erreichen?
Den Wert unserer Arbeit verständlich machen
Wenn mit 70 Prozent Rabatt auf eine handwerkliche Dienstleistung geworben wird, sollten wir erklären können, welche Fragen Kunden stellen müssen: Worauf bezieht sich der Rabatt? Was ist tatsächlich enthalten? Und wie lässt sich gute Arbeit dauerhaft zu einem auskömmlichen Preis anbieten?
Ich wünsche mir hier mehr gemeinsame Aufklärung. Nicht, um anderen Betrieben ihre Preise vorzuschreiben, sondern um den Wert von Beratung, Können, Zeit und Verantwortung sichtbar zu machen. Ehrlich kalkulierende Salons brauchen Rückhalt. Und Kunden brauchen verständliche Informationen statt immer neuer Billigversprechen.
Menschen und Salons zusammenbringen
Auf der einen Seite suchen Salons Mitarbeiter. Auf der anderen Seite gibt es ausgebildete Friseure, die keine passende Stelle finden oder unserem Beruf den Rücken gekehrt haben. Das ist für mich ein Aufgabenfeld, bei dem Innungen vor Ort gemeinsam mit den zuständigen Stellen etwas anstoßen können.
Warum finden beide Seiten nicht zusammen? Fehlen aktuelle Kenntnisse, passen Arbeitszeiten nicht oder stimmen die Arbeitsbedingungen nicht? Die Antworten werden örtlich unterschiedlich ausfallen. Deshalb sollten wir die Menschen an einen Tisch holen, zuhören und konkrete Möglichkeiten entwickeln – auch für einen Wiedereinstieg.
Auch über privat angebotene Friseurdienstleistungen müssen wir sachlich sprechen. Nicht jede Tätigkeit außerhalb eines Salons ist automatisch unerlaubt. Wo es aber konkrete Hinweise auf Verstöße gibt, sollten die zuständigen Behörden angesprochen werden. Eine Innung muss nicht selbst ermitteln, um ihre Mitglieder zu informieren und legale, faire Arbeit zu stärken.
Ausbildung und Prüfungen brauchen den Bezug zum Alltag
Immer wieder höre ich von Friseuren, dass sie mit Prüfungsbedingungen unzufrieden sind. Ihr Eindruck: Nicht alles, was geprüft wird, entspricht den Anforderungen im Salonalltag. Solche Rückmeldungen sollten wir weder pauschal abtun noch ungeprüft übernehmen. Wir sollten sie sammeln, konkret besprechen und an die zuständigen Stellen weitergeben.
Eine Innung kann die Ausbildungsordnung nicht allein umschreiben. Sie kann aber Erfahrungen aus den Betrieben einbringen und innerhalb ihrer Zuständigkeit an guter Ausbildung mitwirken. Dabei geht es nicht um bequemere Prüfungen. Es geht darum, dass junge Menschen fachlich gut vorbereitet in ihren Beruf starten.
Dazu gehört auch ein zeitgemäßes Berufsbild in Schulen und Berufsberatung. Unser Handwerk besteht nicht nur aus Waschen, Schneiden und Föhnen. Beratung, Farbe, Gestaltung und der Umgang mit Menschen verlangen Wissen und Können. Das müssen wir zeigen – mit Einblicken in gute Salons und Menschen, die glaubwürdig von ihrem Beruf erzählen.
Ein gutes Image lässt sich nicht verordnen
Wir wünschen uns Ansehen und Nachwuchs. Aber welche Perspektive bieten wir jungen Menschen tatsächlich? Ein schönes Werbebild bleibt unglaubwürdig, wenn die Arbeitsbedingungen dahinter nicht stimmen. Gute Ausbildung, respektvoller Umgang und eine Bezahlung, von der Menschen leben können, gehören dazu. Ebenso Preise, die den Wert guter Arbeit abbilden.
Auch Ehrlichkeit im Markt entsteht nicht allein durch einen Appell des Verbandes. Sie muss in den Betrieben gelebt werden. Veränderungen „von oben herab“ wünschen sich viele. Ohne die Bereitschaft der Basis werden sie nicht funktionieren.
Danke an diejenigen, die sich einsetzen
Bei all diesen Aufgaben ist mir bewusst, wie viel wir dem Ehrenamt zumuten. Hinter einer Sitzung, einer Veranstaltung oder einer Prüfung stehen Vorbereitung, Arbeit und der Verzicht auf Freizeit. Deshalb an dieser Stelle ein ausdrückliches Danke an die Menschen, die sich in Innungen und Verbänden engagieren.
Nicht jedes Ergebnis wird alle zufriedenstellen. Manches bleibt auch deshalb liegen, weil Unterstützung fehlt – durch Mitarbeit, aber ebenso durch Mitgliedsbeiträge. Wer immer nur fordert und sich selbst entzieht, macht Veränderung nicht leichter. Das sollten wir bei unserer Kritik mitdenken.
Auch ich muss mein Verhalten hinterfragen
Seit Jahren versuche ich, etwas für unsere Branche zu bewegen. Trotzdem hat meine Heimat-Innung davon wenig profitiert. Auch das gehört zur Wahrheit. Ich kann nicht nur andere zur Zusammenarbeit auffordern, ohne meinen eigenen Beitrag zu hinterfragen.
Bei meinen Überlegungen zur Zusammenarbeit mit Verbänden bin ich zudem auf rechtliche und organisatorische Grenzen hingewiesen worden. Nicht jede Idee lässt sich so umsetzen, wie man es sich zunächst vorstellt. Aber daraus sollte nicht folgen, es gar nicht mehr zu versuchen. Es geht darum, geeignete Wege zu finden und Neues auszuprobieren.
Setzen wir uns zusammen. Schauen wir, was vor Ort gebraucht wird und was jeder selbst beitragen kann. Und gewinnen wir anschließend auch die Menschen, die bisher nicht mit am Tisch saßen. Wahrlich keine leichte Aufgabe. Aber eine, die uns allen etwas angeht.
Auf ein Wort: Was erwartet Ihr von Eurer Innung? Was funktioniert bereits gut? Und wo seid Ihr bereit, selbst mit anzupacken?
Rene Krombholz
Gründer der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“
Zur Einordnung: Die gesetzlichen Aufgaben der Handwerksinnungen sind in § 54 der Handwerksordnung beschrieben. Die Anforderungen an die Berufsausbildung und Gesellenprüfung regelt die Friseurausbildungsverordnung. Die Anregungen dieses Beitrags sind persönliche Positionen. Beitragsbild: KI-generiertes Symbolbild mit fiktiven Personen.

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