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Status Q

Status Q · Politik

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Ein Wort in Richtung Politik.

Sehr geehrte Verantwortliche in der Politik, wir leben in einem wohlhabenden Land. Vielen Menschen geht es gut. Und doch habe ich den Eindruck, dass das soziale Miteinander an Kraft verliert. Der Ton wird rauer. Ehrlichkeit, Verantwortung und Wertschätzung dürfen dabei nicht auf der Strecke bleiben.

Sie haben wahrlich keine leichte Aufgabe. In Zeiten des Wandels gibt es nicht für jedes Problem fertige Antworten. Gerade deshalb ist es wichtig, den Menschen zuzuhören, die die Folgen politischer Entscheidungen im Alltag erleben. Wir gehen hier den umgekehrten Weg und kommen auf Sie zu.

Wir – das ist in diesem Fall die Wertegemeinschaft „Der faire Salon“, verbunden mit Friseurunternehmern, die ihren Betrieb ehrlich führen und Verantwortung für ihre Mitarbeiter übernehmen. Wir möchten keine Sonderbehandlung. Wir möchten faire Bedingungen.

Ehrlich arbeiten darf kein Nachteil sein

Wenn über Steuervermeidung großer Unternehmen und fehlende Steuerehrlichkeit gesprochen wird, geht es auch um Vertrauen. Wer seinen Verpflichtungen nachkommt, muss darauf vertrauen können, dass die Regeln für andere ebenfalls gelten. Das betrifft nicht nur die großen Schlagzeilen. Es betrifft auch den Salon um die Ecke.

Ein ordentlich geführter Friseurbetrieb muss seine Preise so kalkulieren, dass Miete, Energie, Material, Versicherungen und Beiträge bezahlt werden können. Dazu kommen Löhne, Weiterbildung und Vorsorge. Das Geld an der Kasse ist nicht einfach persönlicher Gewinn. Hinter jedem Preis stehen Menschen und Verpflichtungen.

Wer Umsätze verschweigt oder andere Pflichten umgeht, kann Preise anbieten, mit denen ein ehrlich wirtschaftender Salon kaum mithalten kann. Genau dort entsteht eine Wettbewerbsverzerrung, die wir nicht hinnehmen sollten. Leidtragende sind auch die Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze und Einkommensperspektiven davon abhängen.

Kleinunternehmerregelung und Missbrauch auseinanderhalten

Die Kleinunternehmerregelung beschäftigt mich seit Langem. Sie kann kleine Betriebe entlasten. Zugleich muss die Politik prüfen, wie sich unterschiedliche steuerliche Bedingungen auf den Wettbewerb auswirken. Ein Salon, der Umsatzsteuer berechnet, steht schließlich mit anderen Anbietern um dieselben Kunden im Wettbewerb.

Dabei müssen wir sauber unterscheiden: Wer die Kleinunternehmerregelung rechtmäßig nutzt, handelt nicht unehrlich. Auch ist die nicht berechnete Umsatzsteuer nicht pauschal zusätzlicher Gewinn; im Gegenzug entfällt grundsätzlich der Vorsteuerabzug. Kleine Umsätze können zudem durch Teilzeit, einen Nebenerwerb oder andere Lebensumstände erklärbar sein.

Trotzdem bleibt eine berechtigte Frage: Wovon lebt ein Unternehmer, wenn nach den laufenden Betriebskosten kaum etwas übrig bleibt? Wie werden Krankheit und Alter abgesichert? Ein dauerhaft nicht tragfähiger Betrieb ist keine gute Grundlage für eine selbstständige Existenz. Darüber sollten wir ehrlich sprechen, ohne kleine Unternehmen unter Generalverdacht zu stellen.

Wir fordern deshalb, die Kleinunternehmerregelung auf ihre Wettbewerbswirkungen und mögliche Fehlanreize zu überprüfen und dort zu begrenzen, wo sie diese begünstigt. Legitime kleine und nebenberufliche Tätigkeiten müssen dabei berücksichtigt werden. Das Ziel muss eine tragfähige Selbstständigkeit sein – nicht ein Preiswettbewerb, bei dem am Ende weder Unternehmer noch Beschäftigte vernünftig leben können.

Kontrollen müssen dort ankommen, wo sie nötig sind

Wir begrüßen Kontrollen, die für Ehrlichkeit und Fairness sorgen. Aber sie müssen nachvollziehbar, wirksam und am tatsächlichen Risiko ausgerichtet sein. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass vor allem die gut sichtbaren, ordentlich organisierten Betriebe geprüft werden, während auffällige Geschäftsmodelle unbehelligt bleiben.

Die Größe eines Unternehmens darf kein Freibrief sein. Ebenso wenig darf sie allein Anlass für Misstrauen sein. Wer mit Bargeld arbeitet, muss seine Einnahmen ordnungsgemäß aufzeichnen. Das gilt auch bei einer offenen Ladenkasse. Eine Kassen-Nachschau ist auch dort möglich; die alte Frage, ob solche Kassen überhaupt erfasst werden, ist damit beantwortet.

Wir brauchen keine zusätzlichen Vorschriften, die nur auf dem Papier gut aussehen. Wir brauchen Regeln, die verständlich sind, praktisch funktionieren und konsequent durchgesetzt werden.

Unsere Forderung bleibt eine verlässliche Kassenführung für alle

Wir fordern eine grundsätzlich verbindliche elektronische Kassenführung und eine nachvollziehbare Belegausgabe für Friseurbetriebe – einschließlich der Kleinunternehmer. Die Umsetzung muss für kleine Salons bezahlbar und alltagstauglich sein. Digitale Belege können dabei helfen. Es geht uns nicht um mehr Papier, sondern darum, dass tatsächlich erzielte Umsätze nachvollziehbar bleiben.

Der vom Bundeskabinett beschlossene Gesetzentwurf zur Kassenpflicht ab 100.000 Euro Jahresumsatz greift das Thema auf. Ein Entwurf ist jedoch noch kein geltendes Gesetz. Und eine solche Umsatzgrenze beantwortet unsere grundsätzliche Frage nicht: Wie wird ein fairer Wettbewerb auch unterhalb dieser Grenze sichergestellt?

Wir verlangen keine pauschale Verdächtigung und keine unnötige Belastung. Wir verlangen, dass ehrliche Arbeit geschützt wird und Ausnahmen nicht zu Schlupflöchern werden. Gleichbehandlung bedeutet für uns, bei allen Marktteilnehmern hinzusehen und Verstöße konsequent zu verfolgen.

Hören Sie denen zu, die täglich Verantwortung tragen

Viele Saloninhaber kämpfen nicht nur um ihr eigenes Einkommen. Sie tragen Verantwortung für Mitarbeiter und deren Familien. Sie bilden aus, halten ihr Wissen aktuell und wollen ihren Kunden gute Arbeit zu einem fairen Preis bieten. Diese Betriebe brauchen Rückhalt – nicht das Gefühl, mit ihrer Ehrlichkeit die Dummen zu sein.

Deshalb unser Wort an Sie: Sprechen Sie mit uns. Schauen Sie in die Salons. Lassen Sie sich zeigen, was Ihre Entscheidungen im Alltag bewirken. Wir bringen unsere Erfahrungen ein und möchten an Lösungen mitarbeiten. Damit Ehrlichkeit, ein vernünftiges Einkommen und ein respektvolles Miteinander wieder eine verlässliche Grundlage haben.

Rene Krombholz
Gründer der Wertegemeinschaft „Der faire Salon“

Rechtliche Einordnung, Stand 20. Oktober 2026: Die Kleinunternehmerregelung wurde seit dem ursprünglichen Text geändert. Informationen zur geltenden Regelung bietet die Finanzverwaltung Baden-Württemberg. Hinweise zu Kassenführung und Belegausgabe sowie zum aktuellen Gesetzesvorhaben finden sich beim Bundesfinanzministerium: Kassengesetz und Belegpflicht und Gesetzentwurf zur Registrierkassenpflicht. Die darüber hinausgehenden Forderungen dieses Beitrags sind politische Positionen.

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