Status Q · Kunden
Dieser Beitrag ist eine Grundlage zur Diskussion. Er beschreibt eine Perspektive, nicht das letzte Wort. Eure Erfahrungen, Fragen und Gegenargumente gehören dazu. Jetzt mitreden ↓
Liebe Kunden,
ein Wort an Sie – aus der Mitte der Friseurbranche.
Warum kostet ein Haarschnitt so unterschiedlich viel?
Sie wundern sich, dass ein Haarschnitt hier zum Niedrigpreis angeboten wird und woanders 50 Euro oder mehr kostet? Das können wir verstehen. Solche Unterschiede werfen Fragen auf – auch bei uns.
Wir sind in erster Linie Handwerksbetriebe. Unsere Preise müssen die Arbeitszeit, Löhne, Miete, Energie, Produkte und viele weitere Kosten tragen. Und am Ende muss etwas übrig bleiben, damit der Betrieb bestehen und der Inhaber davon leben kann.
Ein einfaches Rechenbeispiel: Kalkuliert ein Salon mit 60 Euro Umsatz pro Arbeitsstunde, entsprechen 30 Minuten für einen Herrenschnitt 30 Euro. Eine Stunde für Schnitt, Pflege und Frisur kostet entsprechend 60 Euro. Das ist ein Beispiel, keine allgemeine Preisvorgabe. Jeder Salon muss seine eigenen Kosten kennen und ehrlich rechnen.
Hinter einem niedrigen Preis steht ein Konzept
Niedrigstpreise sind in der Vergangenheit auch durch Lohndumping möglich geworden. Beschäftigte mussten trotz Vollzeitarbeit ihren Lebensunterhalt mit staatlicher Unterstützung ergänzen. Solche Geschäftsmodelle wurden damit auch aus öffentlichen Mitteln mitgetragen.
Billiganbieter gibt es weiterhin. Ein niedriger Preis allein beweist allerdings noch keine schlechte Arbeit. Entscheidend ist, wie er zustande kommt. Wenn ein Salon beispielsweise 60 Euro Umsatz pro Stunde benötigt, muss er für einen Zehn-Euro-Schnitt rechnerisch sechs Kunden in dieser Stunde bedienen. Für Beratung, individuelle Wünsche oder zusätzlichen Service bleibt dann wenig Zeit.
Kommt Verkaufsdruck hinzu, besteht die Gefahr, dass Produkte vor allem Umsatz bringen sollen, statt zum tatsächlichen Bedarf des Kunden zu passen. In einem solchen Konzept bestimmt „Zeit ist Geld“ den Ablauf. Der Mensch kann dabei schnell zu kurz kommen.
Arbeit mit Liebe und Sorgfalt, geeigneten Produkten und fair bezahlten Mitarbeitern braucht Zeit. Und sie braucht einen anderen Preis. Das sind keine Wucherpreise. Das sind faire Preise!
Gleicher Markenname heißt nicht gleiches Produkt
Sie fragen sich, warum ein Haarspray im Drogeriemarkt wenige Euro kostet, ein Produkt derselben Marke beim Friseur aber deutlich mehr? Ein Blick auf die genaue Produktbezeichnung und das Kleingedruckte lohnt sich. Unter einem Markennamen werden unterschiedliche Produktlinien angeboten – etwa für den allgemeinen Handel und für den professionellen Einsatz.
Zusammensetzung, Anwendung und Einkaufspreise können sich unterscheiden. Der Aufdruck „Professional“ allein erklärt allerdings nicht jeden Preisunterschied. Fragen Sie uns, welches Produkt für Sie sinnvoll ist und warum. Eine ehrliche, fachliche Beratung gehört für uns dazu.
Umsatz ist noch lange kein Gewinn
Ehrlich gesagt: Wir können unsere Arbeit nicht dauerhaft mit 70 oder 80 Prozent Rabatt anbieten. Die Kosten verschwinden dadurch nicht. Was Sie an der Kasse bezahlen, ist zunächst Umsatz. Davon müssen sämtliche betrieblichen Ausgaben gedeckt werden.
Für viele Unternehmer reicht das, was am Ende bleibt, kaum für einen auskömmlichen Lebensunterhalt der Familie. Ein einzelner Salon muss seinen Inhaber tragen. Ein Unternehmen mit zehn, zwanzig oder hundert Filialen verteilt Kosten und wirtschaftliche Risiken anders und kann beim Einkauf andere Konditionen erzielen. Trotzdem muss auch dort gerechnet werden.
Was ist Ihnen gute Arbeit wert?
Natürlich gibt es auch im Friseurberuf sehr gute Verdienstmöglichkeiten. Sie bilden aber nicht die Lebenswirklichkeit aller Beschäftigten ab. Wir möchten unsere Mitarbeiter gut bezahlen. Das muss mit den Dienstleistungspreisen erwirtschaftet werden.
Für Restaurantbesuche, das neueste Smartphone oder die angesagte Jacke geben wir Geld aus. Warum auch nicht – jedem das Seine! Aber warum sparen wir dann ausgerechnet an der Arbeit der Menschen, die sich um unser Erscheinungsbild kümmern? Einige hundert Euro für den Anorak, aber beim Haarschnitt soll es möglichst der Zehn-Euro-Preis sein?
Die Frisur ist schließlich das i-Tüpfelchen Ihres Erscheinungsbildes. Sie begleitet Sie jeden Tag. Uns fehlt manchmal die Wertschätzung für die Menschen, die trotz oft bescheidener Löhne täglich ihr Bestes geben. Arbeit mit Liebe und Sorgfalt verdient Anerkennung. Fragen zum Preis sind selbstverständlich erlaubt – wir möchten Ihnen erklären können, was dahintersteckt.
Auch ein nicht abgesagter Termin kostet
Der Wettbewerb um Kunden ist hart. Zusätzlichen Druck schaffen Termine, die gebucht, aber weder eingehalten noch rechtzeitig abgesagt werden. Die reservierte Zeit lässt sich oft nicht kurzfristig neu vergeben. Einnahmen fehlen, während Löhne, Miete und andere Kosten weiterlaufen.
Bitte sagen Sie deshalb rechtzeitig Bescheid, wenn Sie Ihren Termin nicht wahrnehmen können. Das ist eine kleine Geste mit großer Wirkung – für den Salon, die Mitarbeiter und andere Kunden, die auf einen Termin warten.
Unser Wunsch: Wertschätzung, Fairness und Respekt
Wir möchten Ihnen auch in Zukunft gute Dienstleistungen von qualifizierten und fair bezahlten Mitarbeitern bieten. Mit dauerhaften Niedrigstpreisen lässt sich dieser Anspruch nicht verlässlich erfüllen.
Darum diese offenen Worte an Sie. Wer die Hintergründe kennt, kann Preise und Leistungen besser einordnen. Unser Wunsch ist einfach: Wertschätzung, Fairness und Respekt vor der Arbeit unserer Mitarbeiter.
Dieser Beitrag kommt aus der Wertegemeinschaft für das Friseurhandwerk „Der faire Salon“. Unsere Mitgliedsalons bekennen sich zu Fairness, verantwortungsvollem Handeln und einem respektvollen Umgang. Mitgliedsalons und weitere Informationen finden Sie auf der-faire-salon.de.
Und jetzt auf ein Wort: Was erwarten Sie von Ihrem Friseur? Was macht für Sie einen fairen Preis aus? Reden wir miteinander.
Rene Krombholz

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