Ansprechen. Nachfragen. Dranbleiben.
Der Ehrliche darf nicht der Dumme sein.
Wer im Salon Verantwortung übernimmt, braucht faire Bedingungen. Deshalb haben wir uns immer wieder an die Politik gewandt: mit offenen Briefen, konkreten Fragen und der Bitte, die Wirklichkeit unseres Handwerks ernst zu nehmen.
Hier führen wir die Schreiben, Antworten und begleitenden Aktionen in Kurzform zusammen – von 2018 bis 2022. Denn eine Antwort ist wichtig. Entscheidend bleibt aber, was sich daraus für die Menschen im Handwerk verändert.
Historische Dokumentation: Ämter, Zahlen und politische Forderungen beziehen sich auf den jeweiligen Zeitpunkt, nicht auf die heutige Rechtslage. Undatierte Unterlagen stehen gesondert am Ende.
2018 · Faire Regeln für das Friseurhandwerk
20. AUGUST 2018 · ÖFFENTLICHER AUFRUF
Offener Brief an Olaf Scholz
Mit dem im Juli verfassten und am 20. August veröffentlichten Brief wandte sich René Krombholz an den damaligen Bundesfinanzminister und weitere politische Verantwortliche. Im Mittelpunkt standen die Kleinunternehmerregelung, unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen und die wirtschaftliche Absicherung kleiner Salons.
Die Forderungen: eine zeitliche Begrenzung der Umsatzsteuerbefreiung, wirksame Kontrollen auch kleiner Betriebe und keine zusätzlichen Anreize, Umsätze dauerhaft niedrig zu halten. Ausbildung, faire Löhne und Altersvorsorge sollten sich wieder tragen können.

21. BIS 31. AUGUST 2018 · DIE AKTION WIRD BREITER
Presse, Innungen und Politik werden angesprochen
TOP HAIR International und Friseurwelt griffen den Aufruf auf. Laut Aktionsagenda ging am 21. August eine Pressemitteilung an rund 200 Tageszeitungen. Es folgten die Landesinnungsverbände, eine weitere Presseinformation und Schreiben an politische Spitzen. Ende August wurden über 500 Bundestagsabgeordnete per E-Mail angesprochen.
Die begleitenden Texte „Rettet das Handwerk“ und die Presseerklärung verbanden die Steuerfrage mit Nachwuchsmangel, Bürokratie und fehlenden Kontrollen. Rückmeldungen aus Salons und Innungen zeigten Unterstützung; einzelne Kollegen leiteten den Brief an ihre Abgeordneten weiter.
14. SEPTEMBER 2018 · NACHFRAGE
Offener Brief an Johannes Kahrs
Nach einem Fernsehauftritt des damaligen haushaltspolitischen Sprechers der SPD fragte Krombholz nach: Wie sollten eine gerechte Besteuerung und wirksame Prüfungen auch im kleinen Friseurbetrieb erreicht werden? Zugleich kritisierte er die bis dahin ausbleibende politische Rückmeldung. Im Kern stand die Frage, wie angekündigte Ziele im Salonalltag ankommen.
5. OKTOBER 2018 · ANTWORT AUS DER FDP
Christian Dürr antwortet für die Fraktionsspitze
Auf das Anschreiben an Christian Lindner antwortete Christian Dürr. Er erläuterte den Vereinfachungszweck der Kleinunternehmerregelung, sah aber mögliche Verzerrungen in Bereichen mit geringem Vorsteuerabzug. Einer zeitlichen Begrenzung räumte er wenig Erfolgschancen ein. Ausdrücklich unterstützte er hingegen ausreichende Kontrollen gegen Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung – auch bei kleinen Unternehmen.
ETWA NOVEMBER 2018 · BILANZ NACH DREI MONATEN
Nachhaken statt abhaken
Die Zwischenbilanz berichtete von fast 1.000 Downloads des offenen Briefes und weiteren Kontakten zu Politikern vor Ort. Über Kollegen erreichten uns Rückmeldungen von Jan-Marco Luczak und Anja Karliczek. Sie verwiesen unter anderem auf die Kassennachschau und geplante Maßnahmen gegen Kassenmanipulation.
Eine ergänzende Nachfrage an das Bundesfinanzministerium stellte die Kernfragen erneut: Ist eine zeitliche Begrenzung möglich? Wie werden Kontrollen und gleiche Chancen sichergestellt? Die positive Resonanz aus der Branche ersetzte für uns noch keine Lösung.

6. DEZEMBER 2018 · BUNDESFINANZMINISTERIUM
Die Antwort von Staatssekretär Rolf Bösinger
Nachdem eine direkte Antwort auf den offenen Brief ausgeblieben war, wurde über den Bundestagsabgeordneten Andreas Rimkus nachgehakt. Das an ihn adressierte Schreiben des Ministeriums vom 6. Dezember 2018 liegt als Kopie vor. Es erläuterte die damalige europarechtliche Grundlage und erklärte, eine Beschränkung auf die Gründungsphase oder einzelne Branchen sei darin nicht vorgesehen.
Gleichzeitig benannte das Schreiben mögliche Wettbewerbsverzerrungen und den Zielkonflikt zwischen Vereinfachung, Entlastung und Gleichbehandlung. Eine konkrete Zusage zur geforderten Reform enthielt es nicht. Für uns war das eine inhaltliche Antwort – aber noch keine Veränderung der beanstandeten Situation.
2022 · Fachkräfte, Fairness und Verantwortung
12. JULI 2022 · OFFENER BRIEF
An Hubertus Heil und Robert Habeck
Der gemeinsame offene Brief an den damaligen Bundesarbeitsminister und Bundeswirtschaftsminister stellte einen Widerspruch in den Mittelpunkt: Salons suchen Mitarbeiter, während ausgebildete Friseure arbeitslos gemeldet sind. Krombholz schilderte Erfahrungen aus der eigenen Personalsuche und forderte bessere Vermittlung, einen konsequenten Umgang mit nachgewiesener Schwarzarbeit und faire Wettbewerbsbedingungen.
Der Brief verband dies mit der Kleinunternehmerregelung und der Frage, wie gute Löhne und verantwortungsvoll geführte Betriebe wirtschaftlich bestehen können. Im Namen der Düsseldorfer Friseurinnung lud er die Politik zum Austausch ein. Die einzelnen Anschreiben an Heil und Habeck sowie die Pressefassung „Sommer 22“ gehören zu dieser gemeinsamen Aktion.
Eine Antwort der beiden Ministerien ist in den bereitgestellten Unterlagen nicht enthalten. Einzelne persönliche Erfahrungen werden hier nicht als Beleg für das Verhalten aller Arbeitsuchenden dargestellt.
Weitere Unterlagen ohne gesichertes Datum
Diese Texte ergänzen die Themen, lassen sich aber anhand der vorliegenden Fassungen nicht taggenau in die Chronologie einordnen.
Mehrfach per Einschreiben an das Bundeskanzleramt
Auch beim Bundeskanzleramt wurde nachgehakt. René Krombholz schildert: Der offene Brief wurde mehrfach per Einschreiben dorthin geschickt. Die damalige Auskunft habe dennoch gelautet, keines dieser Einschreiben sei angekommen. Für ihn bleibt das eine ernüchternde Erfahrung: Selbst der wiederholte formelle Versand führte nach seiner Darstellung nicht zu einer inhaltlichen Antwort.
Ergänzung nach persönlicher Schilderung von René Krombholz. Ein gesichertes Versanddatum und Zustellnachweise sind dieser Übersicht nicht beigefügt.
Ein weiterer offener Brief an Christian Lindner
Ausgehend von einer ihm zugeschriebenen Aussage zur Vermittlung Arbeitsloser bat Krombholz um Stellungnahme. Thema waren erneut die erfolglose Personalsuche trotz offener Stellen, die Bekämpfung von Schwarzarbeit und die Durchsetzung von Mitwirkungspflichten. Der Text nimmt auf die Bürgergeld-Debatte Bezug; ein eindeutiges Briefdatum fehlt. Eine zugehörige Antwort liegt nicht vor.
Hintergrund: Was im Salon ankommt
Die Beispielgeschichte „Friseurmeister Ehrlich“ veranschaulicht die Kritik an unterschiedlichen Wettbewerbsbedingungen. Sie ist ein zugespitztes Rechen- und Erzählbeispiel, kein Bericht über einen konkret benannten Salon.
„Die Zukunft lässt hoffen“ erweitert den Blick auf Ausbildung, Qualität, Preise, Bürokratie und Eigeninitiative. Die Botschaft: Politische Rahmenbedingungen sind wichtig. Zugleich müssen Salons selbst handeln, sich weiterbilden, ihre Kalkulation prüfen und miteinander sprechen. Eine pauschale Schuldzuweisung an Kammern oder einzelne Gruppen greift zu kurz.
