Unsere Stimme braucht uns alle
Viel Einsatz. Zu wenig Zusammenhalt.
Wir wollen faire Bedingungen für unser Handwerk. Aber wenn es darum geht, gemeinsam dafür einzustehen, bleiben zu viele von uns still.
Der fehlende Zusammenhalt in unserer Branche macht vieles zunichte, bevor es überhaupt Wirkung entfalten kann. Menschen investieren Zeit, schreiben, organisieren und werben um Unterstützung. In sozialen Medien wird geteilt, Fachmedien berichten. Und dann? Bleibt die Beteiligung oft weit hinter dem zurück, was wir gemeinsam bewegen könnten.
Allein aus unserem Umfeld sind drei Anläufe dokumentiert: die Petition zur Kleinunternehmerregelung von 2012, der Neustart zu diesem Thema 2026 und die gemeinsame NRW-Petition gegen die Rückforderung der Corona-Soforthilfen. Hinzu kommen weitere Initiativen aus der Branche, etwa für eine niedrigere Mehrwertsteuer.
Für mich ist die Bilanz ernüchternd. Es geht schließlich nicht um Nebensächlichkeiten. Es geht um unsere wirtschaftliche Existenz, um Arbeitsplätze und Ausbildung. Wer soll uns ernst nehmen, wenn wir unsere eigenen Anliegen nicht gemeinsam tragen?
Unsere Petitionen im Überblick
Was wir angestoßen haben – und wo die Vorhaben stehen.
01 · DER ERSTE ANLAUF · 2012
Gleiche steuerliche Bedingungen
Bereits 2012 brachte „Der faire Salon“ das Thema Kleinunternehmerregelung mit einer Petition in den Deutschen Bundestag. Unser Anliegen: faire Wettbewerbsbedingungen für umsatzsteuerpflichtige Salons und kleine Betriebe. Die Petition wurde abgelehnt. Nach unserer damaligen Dokumentation wurde die beanstandete Wettbewerbsverzerrung politisch nicht anerkannt.
Die Frage dahinter ist geblieben: Wie können Betriebe ausbilden, ordentlich bezahlen und vorsorgen, wenn sie unter unterschiedlichen steuerlichen Voraussetzungen miteinander konkurrieren?
02 · NEUSTART · 2026
Kleinunternehmerregelung: Fairness braucht gleiche Regeln
Am 30. Juni 2026 starteten wir einen neuen Anlauf auf openPetition. Die Petition richtet sich an den Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages. Sie fordert eine Reform der Kleinunternehmerregelung und nachvollziehbare, faire Rahmenbedingungen für das Friseurhandwerk.
Es geht nicht darum, kleine Betriebe pauschal anzugreifen. Es geht darum, wie ein wirtschaftlich gesundes Handwerk unter vergleichbaren Bedingungen arbeiten kann – mit Raum für Ausbildung, Investitionen und verlässliche Arbeitsplätze.
Sammlung bis 29. Dezember 2026. Den laufenden Unterschriftenstand zeigt die Petitionsseite. Für uns bleibt klar: Ein Anliegen wird nicht dadurch stark, dass wenige immer wieder darüber sprechen. Es braucht Menschen, die es mittragen.


03 · FRISЕURINNUNG DÜSSELDORF UND DER FAIRE SALON · 2026
Corona-Soforthilfen: Haltet euer Wort!
Am 20. März 2026 starteten die Friseurinnung Düsseldorf und „Der faire Salon“ die Petition „NRW lässt Friseure im Stich: Rückzahlung der Corona-Hilfen stoppen!“ Sie richtet sich an den Präsidenten des Landtags NRW.
Gefordert werden ein Stopp der Rückforderungen, eine faire und rechtssichere Lösung sowie die Erstattung bereits gezahlter Beträge, sofern die zugrunde liegenden Rückforderungen rechtswidrig waren. Im Mittelpunkt stehen Betriebe, die in der Krise auf staatliche Zusagen vertraut haben.
Die Sammlung endete am 19. September 2026 mit 1.196 Unterschriften. openPetition führt das Vorhaben im Schritt „Einreichung vorbereiten“. Das ist kein abschließender politischer Bescheid. Gemessen an der Bedeutung des Themas ist diese Beteiligung für mich dennoch bitter enttäuschend.
Weitere Stimmen aus der Branche
Diese Petitionen sind eigenständige Initiativen anderer. Sie zeigen: Nicht jedes Vorhaben scheitert an geringer Beteiligung. Auch viele Unterschriften garantieren noch keine politische Umsetzung.
AKTUELL · BUNDESTAGSPETITION 207069
Altersvorsorge: Wahlfreiheit auch für selbstständige Handwerker
Marija Papouschek, Friseurunternehmerin und Geschäftsführerin der Marie Lou Studio GmbH in Nürnberg, wirbt um Unterstützung für ihre Petition: Die besondere gesetzliche Rentenversicherungspflicht für bestimmte selbstständige Handwerkerinnen und Handwerker soll abgeschafft werden. Ihr Anliegen ist dieselbe grundsätzliche Wahlfreiheit bei der Altersvorsorge wie für andere Selbstständige.
Die Initiative richtet sich ausdrücklich nicht gegen die gesetzliche Rentenversicherung. Eine freiwillige Versicherung soll weiterhin möglich sein. Ebenso fordert sie keine Ausweitung der Pflicht auf andere Berufsgruppen. Im Mittelpunkt stehen Gleichbehandlung und die eigenverantwortliche Gestaltung der Altersvorsorge.
Mitzeichnen bis zum 11. November 2026. Papouschek bittet die Friseurbranche, das Anliegen zu prüfen, darüber zu sprechen und es bei Zustimmung weiterzutragen. Der aktuelle Stand ist auf der Bundestagsseite zu sehen.

2022 · BRANCHENINITIATIVE
Friseure brauchen Zukunft – 7 % jetzt!
Die Petition forderte die Senkung der Mehrwertsteuer auf Friseurdienstleistungen von 19 auf 7 Prozent. 70.346 Unterschriften kamen zusammen. Trotzdem verzeichnet openPetition als Ergebnis: „Der Petition wurde nicht entsprochen“.
Das war eine beachtliche Mobilisierung, kein Beteiligungsdesaster. Der politische Erfolg blieb dennoch aus. Beides gehört zu einer ehrlichen Bilanz.
2026 · BUNDESTAGSPETITION 192914
Ein weiterer Anlauf für 7 Prozent
Eine weitere öffentliche Bundestagspetition vom 5. Januar 2026 fordert ebenfalls den ermäßigten Umsatzsteuersatz für Friseurdienstleistungen. Die Mitzeichnungsfrist endete am 26. Februar 2026. Das Portal nennt 86 Online-Mitzeichnungen; das Quorum wurde nicht erreicht.
Der angezeigte Status lautet „in der Prüfung“. Eine niedrige Online-Beteiligung und der spätere parlamentarische Ausgang sind deshalb getrennt zu betrachten.
2025 · POLITISCHE POSITION · KEINE PETITION
Forderungen des Friseurhandwerks zur Bundestagswahl
Unter dem Titel „Wachstum fördern – Perspektiven schaffen“ bündelte der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks seine Forderungen an die künftige Regierungskoalition. Dazu gehören 7 Prozent Mehrwertsteuer auf Friseurdienstleistungen, die Bekämpfung von Schwarzarbeit, Änderungen an der Kleinunternehmerregelung, weniger Bürokratie und eine stärkere Förderung der Ausbildung.
Das Papier ist ein politischer Forderungskatalog, keine Unterschriftensammlung. Es dokumentiert, welche Veränderungen der Verband für die Branche verlangt.
2026 · NIEDERSACHSEN
Corona-Soforthilfen: Erlass und Erstattung gefordert
Der Landesinnungsverband des niedersächsischen Friseurhandwerks unterstützt eine Petition an den Niedersächsischen Landtag. Gefordert werden der vollständige Erlass der Rückforderungen von Landes-Soforthilfen aus dem Jahr 2020 und die Erstattung bereits geleisteter Rückzahlungen. Außerdem soll sich die Landesregierung auf Bundesebene für eine entsprechende Lösung bei den Bundes-Soforthilfen einsetzen.
Der Verband begründet sein Anliegen insbesondere mit dem Vertrauen der Betriebe in die damalige Kommunikation der Hilfen. Auf seiner Informationsseite stehen die Forderungen und Hinweise zur Mitzeichnung. Das verlinkte Landesportal meldete bei der Prüfung am 22. Oktober 2026 Wartungsarbeiten; eine aktuelle Mitzeichnungsfrist konnte daher nicht bestätigt werden.
26. MÄRZ 2026 · INITIATIVE AUS DEM SAARLAND
Corona-Hilfen fair neu bewerten
Die Landesinnung Friseure und Kosmetik Saarland startete die Petition „Faire Neubewertung der Corona-Hilfen – Existenzgefährdende Rückforderungen stoppen!“ auf Change.org. Sie fordert nachvollziehbare Berechnungen ab dem tatsächlichen Zeitpunkt der behördlichen Schließung, die Berücksichtigung laufender Kosten und eines Unternehmerlohns sowie eine rechtssichere Klärung der Verjährungsfrage.
Die Initiative kommt aus dem Friseurhandwerk, richtet sich aber ausdrücklich an alle betroffenen Branchen. Ihre Forderungen sind politische Anliegen und keine pauschale Aussage darüber, ob eine einzelne Rückforderung rechtmäßig ist.
Zusammenhalt zeigt sich beim Mitmachen.
Eine Petition löst nicht jedes Problem. Aber sie macht sichtbar, wie viele Menschen hinter einer Forderung stehen. Wenn wir Veränderungen wollen, dürfen wir diese Arbeit nicht immer denselben wenigen überlassen.
Prüft die Anliegen. Bildet euch eine Meinung. Unterstützt, was ihr richtig findet, und sprecht darüber – im Salon, mit euren Teams und mit euren Kunden. Auch nach dem Ende einer Unterschriftensammlung braucht ein Anliegen Menschen, die dranbleiben.
Wir müssen nicht in allem einer Meinung sein. Aber wir sollten endlich lernen, bei gemeinsamen Interessen zusammenzustehen.
Recherche und Quellenprüfung: 22. Oktober 2026. Die Links führen jeweils zur Dokumentation bzw. zur Petition. Laufende Stände können sich ändern. Die Bilder sind bereitgestellte Kampagnenmotive, keine dokumentarischen Fotos. Die Bewertungen im Text geben die persönliche Sicht von René Krombholz wieder.
