In schwierigen Zeiten müssen wir zusammenrücken. Uns zuhören. Uns gegenseitig Rückhalt geben. Und dann gemeinsam losgehen. Denn regungslos zu verharren, wie der Igel vor der Schlange, bringt uns keinen Schritt weiter.
Wo stehen wir heute? Was läuft falsch? Was können wir selbst verändern? Darüber müssen wir offen reden: mit Chefs und Mitarbeitern, mit Kunden, mit der Politik, mit Innungen und Verbänden. Dafür gibt es Auf ein Wort!
Manchmal führt der Weg erst einmal bergab
Ein Bild hat mich zum Nachdenken gebracht: Berge umgeben ein stilles Gewässer. Darüber liegt ein heller Himmel. Der Gedanke dazu: Manchmal führt der Weg zum nächsten Berg zunächst hinunter ins Tal.
Für mich steckt darin viel von unserer heutigen Situation. Wir sprechen von einer verfahrenen Lage. Und ja, an vielen Stellen stimmt das. Doch wenn wir uns festgefahren haben, müssen wir auch fragen: Sind wir noch auf dem richtigen Weg? Einfach weiterzumachen wie bisher, wird uns kaum an ein anderes Ziel bringen.
Umdenken und Neubesinnung sind angesagt. Ehrlich analysieren, wo wir stehen. Neue Wege suchen. Und uns Ziele setzen, für die sich die Mühe lohnt. Ein Schritt zurück kann dabei nötig sein, um wieder voranzukommen.
Warum ich schon 2008 angefangen habe
Als Discounter und Billigangebote immer mehr Raum einnahmen und „Geiz ist geil“ Hochkonjunktur hatte, entstand 2008 meine Idee für „Der faire Salon“. Mit TOP HAIR International als Partner wurde daraus eine Wertegemeinschaft im Friseurhandwerk. Ich wollte der Billigmasche etwas entgegensetzen. Denn unser Beruf lebt von Können, Vertrauen und Menschen, die gute Arbeit leisten.
Es ging mir darum, verantwortungsvoll geführte Salons und ihre Mitarbeiter zu stärken. Ihnen Rückhalt zu geben und ein erkennbares Profil: Hier haben Qualität und Fairness ihren Platz. Hier zählt, wie wir miteinander umgehen. Und hier muss gute Arbeit auch wirtschaftlich möglich sein.
Mit meinen Befürchtungen wurde ich damals von manchen belächelt. Vieles von dem, wovor ich gewarnt habe, erlebe ich heute als Realität. Darüber empfinde ich keine Genugtuung. Es macht mich nachdenklich. Und es zeigt mir, wie dringend wir diese Themen weiter ansprechen müssen.
Eine gesunde Grundlage beginnt im eigenen Salon
Unser Ziel ist eine gesunde Ausgangslage im Salon: faire Arbeitsbedingungen, Respekt, Weiterbildung und Preise, von denen ein Betrieb und die Menschen darin leben können.
Orientierung bietet der Kodex für Friseure in Europa. Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretungen haben ihn im Rahmen des europäischen Sozialdialogs vereinbart. Er beschreibt Grundsätze für ein gutes Miteinander und verantwortungsvolle Arbeit. Hierzulande begegnet er mir im Salonalltag noch viel zu selten. Dabei kann er helfen, gemeinsame Werte verbindlich zu besprechen und in der täglichen Zusammenarbeit zu leben.
Chancen sind da. Aber wir müssen sie uns erarbeiten. Das braucht Zeit, Ausdauer und die Bereitschaft, auch die eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen. Diesen langen Weg kann uns niemand abnehmen. Gemeinsam können wir ihn leichter gehen.
Aus Information soll Austausch werden
Seit 1998 gehört die journalistische Arbeit im Netz zu meinem Weg. Daraus entwickelte sich Friseur-News. Als Fachjournalist habe ich über viele Jahre für unterschiedliche deutsche Medien über unser Handwerk berichtet. Friseur-News wird als digitale Zeitschrift unter der ISSN 2190-9873 geführt.
Mit „Auf ein Wort!“ bekommen Beiträge, Themen und Gedanken aus Friseur-News und „Der faire Salon“ einen gemeinsamen Ort für die Diskussion. Was auf beiden Portalen informiert und Denkanstöße gibt, soll hier zum Gespräch werden.
Jeder darf seine Meinung einbringen. Auch widersprechen. Eigene Erfahrungen schildern, Fragen stellen und Ideen weiterdenken. Klar in der Sache, respektvoll im Umgang. Teilt die Beiträge, tragt die Gespräche in eure Netzwerke und in die sozialen Medien. Vernetzt euch mit uns und miteinander.
Ich möchte wissen, was euch bewegt. Wo ihr feststeckt. Und welche Wege ihr bereits gefunden habt. Denn die Zukunft unseres Handwerks geht uns alle an.
Hier spricht das Friseurhandwerk. Reden wir miteinander.
Rene Krombholz
